🎭 Fastnacht – und was das mit Umkehr und Hoffnung zu tun hat

Fastnacht und Christentum – mehr als nur Tradition

Bunte KostĂĽme, Konfetti, BĂĽttenreden und ausgelassene Stimmung:
Für viele Menschen ist die Fastnacht oder Faschingszeit vor allem ein kulturelles Ereignis. Ein Stück Brauchtum. Ein Ausnahmezustand im grauen Winter. Doch historisch und theologisch betrachtet ist Fastnacht zutiefst im Christentum verwurzelt. Sie ist kein Gegenpol zum Glauben – sondern Teil des kirchlichen Jahresrhythmus.


„Fast-Nacht“ – der Name verrät es

Schon der Begriff macht deutlich, worum es geht. „Fastnacht“ bedeutet wörtlich: die Nacht vor dem Fasten. Mit dem Aschermittwoch beginnt im Christentum die 40-tägige Fasten- oder Passionszeit vor Ostern. Diese Zeit orientiert sich an den 40 Tagen, die Jesus nach seiner Taufe in der Wüste verbrachte (Matthäus 4). Dort fastete er, rang mit Versuchungen und klärte seinen Weg.

Die Fastnacht ist also kein zufälliger Termin im Kalender. Sie steht unmittelbar an der Schwelle zur Fastenzeit.


Feiern vor der Reduktion

Im Mittelalter war die Fastenzeit sehr ernst gemeint. Fleisch, Milchprodukte, Eier – all das war über Wochen tabu. Auch Feste und ausgelassene Feiern wurden stark eingeschränkt.

Was lag also näher, als vor dieser Phase noch einmal zu feiern? „Carne vale“ – vermutlich eine der Wortwurzeln von „Karneval“ – bedeutet: „Fleisch, lebe wohl.“

Man verabschiedete sich vom Überfluss, bevor eine Zeit der bewussten Einschränkung begann. Fastnacht war damit nie nur Vergnügen.

Sie war eingebettet in eine geistliche Bewegung: vom Überfluss zur Konzentration, vom Lärm zur Stille.

Die „verkehrte Welt“ – eine theologische Dimension

Ein weiteres typisches Element der Fastnacht ist der Rollentausch: Narren regieren, Autoritäten werden karikiert, gesellschaftliche Hierarchien scheinen außer Kraft gesetzt.

Auch das hat eine tiefere Bedeutung. Im christlichen Glauben gibt es eine starke Tradition der Umkehrung: „Die Letzten werden die Ersten sein.“ „Wer groß sein will, soll dienen.“

Die Fastnacht spiegelt auf spielerische Weise diese Perspektivverschiebung. Sie erinnert daran, dass menschliche Macht relativ ist – und dass wir uns selbst nicht absolut setzen sollten. Humor und Selbstironie gehören also durchaus in eine christliche Weltsicht.


Von der Fastnacht in die WĂĽste

Mit dem Aschermittwoch endet die Ausgelassenheit abrupt. Die Liturgie wechselt den Ton. Das Kreuz rückt in den Mittelpunkt. In vielen Gottesdiensten wird Asche als Zeichen der Vergänglichkeit auf die Stirn gezeichnet. Die 40 Tage der Fastenzeit erinnern an Jesu Weg in die Wüste:

  • Verzicht

  • Versuchung

  • innere Klärung

  • Ausrichtung auf Gott

Die Wüste steht dabei symbolisch für einen inneren Raum: Wo bin ich versucht, Abkürzungen zu nehmen? Wovon lasse ich mich bestimmen? Was trägt wirklich? Die Fastnacht steht also nicht im Widerspruch dazu. Sie markiert den Übergang. Die Schwelle.


Ein Rhythmus fĂĽr das Leben

Das Kirchenjahr kennt keine Dauerstimmung. Es kennt nicht nur Freude – aber auch nicht nur Ernst.

Es kennt:

  • Advent und Erwartung

  • Weihnachten und Freude

  • Fastnacht und Ausgelassenheit

  • Fastenzeit und Besinnung

  • Karfreitag und Schmerz

  • Ostern und Hoffnung

Dieser Rhythmus nimmt das menschliche Leben ernst. Wir brauchen Phasen des Feierns – und Phasen der Reduktion.

  • Gemeinschaft – und RĂĽckzug.
  • Lachen – und Nachdenken.
  • Fastnacht und Fasching sind deshalb keine fremden Elemente im Christentum.

Sie sind Teil eines geistlichen Spannungsbogens, der auf Ostern zuläuft.


Mehr als Brauchtum

Wer Fastnacht nur als Folklore betrachtet, übersieht ihre Wurzeln. Sie ist historisch gewachsen aus einer religiösen Praxis. Sie lebt aus einem christlichen Jahresrhythmus. Vielleicht lohnt es sich gerade deshalb, diese Tage bewusster zu erleben: Nicht nur als Ausnahmezustand. Sondern als Übergang. Vom Lärm zur Stille. Vom Überfluss zur Konzentration. Von der Oberfläche in die Tiefe. Und am Ende dieses Weges steht nicht der Verzicht – sondern die Hoffnung von Ostern.