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Kirche als Ort der Begegnung

Kristin Flach-Köhler baut im Dekanat Gross-Gerau-Rüsselsheim ein Interkulturelles Zentrum auf

EKHN/Anja Schwier-WeinrichKristin Flach-Köhler bei der Gartenarbeit für das Interkulturelle Zentrum des Dekanats Groß-Gerau - RüsselheimKirche als Ort für tiefere Begegnung wieder sichtbar machen. Das Interkulturelle Zentrum des Dekanats Groß-Gerau - Rüsselheim, dafür legt Kristin Flach-Köhler in Mörfelden Hand an.

Kirche vor Ort sichtbar machen

Man kann kaum etwas entdecken. Weder den Eingang, noch das Fenster oder auch das winkelige, verschachtelte Dach, das an ein großes schützendes Zelt erinnert.
Mitten in einem Wohngebiet mit mehrgeschossigen Wohnblocks, liegt das Gemeindehaus der Mörfelder Kirchengemeinde und genau hier möchte Kristin Flach-Köhler etwas aufbauen und Kirche als Ort für Begegnungen, theologischen Austausch und Katalysator für Netzwerke sichtbar machen. Dafür legt die Gemeindepädagogin Hand an.

Anknüpfungsmöglichkeiten schaffen und Neues wagen

Ihre Stelle ist ganz neu. Sie wird ein Interkulturelles Zentrum aufbauen, interkulturelle Bildungsprozesse entwickeln und gestalten. Ihre Stelle ist sowohl in der Mörfelder Kirchengemeinde verortet als auch auf der Ebene des Kirchenkreises, des Dekanats Groß-Gerau - Rüsselsheim. Mit der Anbindung an die Kirchengemeinde kann Flach-Köhler auf die bereits seit drei Jahrzehnten bestehende Hausaufgabenhilfe aufbauen.

EKHN/Anja Schwier-WeinrichVon der Grundschule bis zu den verschiedenen Klassenstufen der Gesamtschule reicht die Hausaufgabenhilfe.

Aber alles andere sind neue Wege. Doch genau das hat Flach-Köhler gereizt. „Als ich die Ausschreibung las, hat mich sofort angesprochen, dass es hier um Pionierarbeit, um einen Aufbauprozess geht. Ich habe immer viele Ideen und es macht mir Freude, Dinge zu entwickeln und in einem Team umzusetzen.“ Das war wohl schon immer so, wenn man sich ihre Berufsbiografie ansieht.

 

Veränderungen gestalten statt fertige Antworten zu haben

Als es nach dem Abitur um die Studienwahl ging, war zunächst Ökotrophologie (das Studium der Haushalts- und Ernährungswissenschaft) in der Auswahl. „Daran hat mich gereizt, wie viel man mit diesem Studiengang hätte machen können. Ich wollte nie nach dem Studium fertig sein, sondern das Studium sollte mich dazu befähigen, mich und andere weiterzuentwickeln.“ Deshalb hat sie auch nicht Theologie studiert. „Ich hatte damals die Vorstellung, man muss als Pfarrerin immer schon eine fertige Antwort haben, alles erklären können wie es ist. Das entspricht mir nicht.“ Sie wollte Veränderungen mitgestalten und das ging für sie am besten mit dem Studium der Gemeindepädagogik in Darmstadt, an der damaligen Evangelischen Fachhochschule.

EKHN/Anja Schwier-WeinrichFür die Hausaufgabenhilfe braucht es viele aktuelle Bücher, die weiterhelfen.

Dann folgten Anerkennungsjahr in Büttelborn und Diplomarbeit. Die Arbeit dort war geprägt von einem starken Team, dem ersten Umsetzen des Wissens in die Praxis und vor allem dem Kennenlernen der kirchlichen Strukturen. Die Diplomarbeit wurde natürlich auch gemeinsam mit einem Studienkollegen geschrieben. „Ich bin eine Teamplayerin. Das Team ist mir Stärkung und Korrektiv zugleich. Ich brauche den Austausch mit anderen, über die Ideen und die Gesellschaft.“

Je mehr Team, desto besser 

Erste Stelle in Pfungstadt, dann die zweite wieder in Büttelborn. Natürlich waren beide Stellen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen angesiedelt, so wie damals noch fast alle Stellen der Gemeindepädagogik. Gemeinsam mit der Pfarrerin die Konfirmandenarbeit durchführen, gemeinsam Angebote in der Erwachsenenarbeit entwickeln. Doch dann kam das Dekanatsstrukturgesetz, ein Gesetz, dass eigentlich die Bemessung für den Pfarr- und Gemeindepädagogischen Dienst regeln sollte, aber den Nebeneffekt hatte, dass nun die interdisziplinären Teams in den Kirchengemeinden klare Regelungen der Zuständigkeiten zugewiesen bekamen. So wurde die Teamarbeit schwieriger, weshalb 1999 ein Stellenwechsel zum Verband Evangelische Frauenhilfe in Hessen und Nassau kam.

EKHN/Anja Schwier-WeinrichKristin Flach-Köhlers Schreibtisch ist voll feministischer und weiterer Literatur, hier das "ABC des guten Lebens"„Ich habe die feministische Literatur geradezu verschlungen“, erinnert sich Kristin Flach-Köhler an die Zeit im Landesverband.

Das war ein guter nächster Schritt. Das Team aus der Pfarrerin für Frauenarbeit und mehreren Pädagoginnen entwickelt mit dem Vorstand die Arbeit neu und gibt dem damals entstehenden "Landesverband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau" ein Konzept und Gesicht: Aufbauarbeit, Theologie und Spiritualität ist zusammenzubringen und an die vielen engagierten Frauen in den Regionen weiterzugeben; die Übersetzung der "Bibel in gerechter Sprache" ist auf ihre Praxistauglichkeit zu testen und neue Zugänge sind zu schaffen.

In Leben und Theologie entdecken: Gott geht mit

Auch für Flach-Köhler selbst hatte diese Stelle eine besondere Bedeutung: Sie kam aus einem baptistischen Elternhaus, das für ihre theologischen Fragen wenig Antworten bot. Dann im Gemeindepädagogikstudium lernte sie bei Gottfried Buttler, die diskursive an der Lebenswelt orientierte Religiosität kennen. Dieser gesellschaftlich-politisch-theologische Ansatz gefällt ihr. Die Gesellschaft verstehen und mit dieser Analyse pädagogische Programme entwickeln, wird zu ihrer Herangehensweise. „Dennoch blieb die Theologie damals seltsam sperrig, irgendwie fern. Sie kam nicht nah.“ Doch dann plötzlich wurde eine Brücke geschlagen: Durch ihre Tätigkeit als Referentin für Frauen Bildung Spiritualität im Landesverband findet sie „ihre“ Theologie. Sie leitet einen Studienzirkel im Rahmen des für den Landesverband von den Pfarrerinnen Karin Böhmer und Eli Wolf angebotenen Fernstudiums Feministische Theologie und entdeckt einen neuen Gottesbegriff: ha-Makom (Hebr. für Ort, bewohnter Ort). Gott als ein Gott die/der an die verschiedenen Orte mitgeht, das wird ihr persönlicher Schlüssel für ihr Denken und Handeln. „Das ist ein Bild für Gotteskraft, die sich Raum schafft, auch da, wo es zunächst nicht so aussieht“ und damit ist sie in unserem Gespräch bei ihrer neuen Stelle angekommen.

Zuhause an einem anderen Ort

EKHN/Anja Schwier-WeinrichGegenwärtig findet sich auf ihrem Schreibtisch auch noch vieles anderes: Bücher mit Titeln wie "Was ist eigentlich Heimat?" oder "Gott dazwischen. Eine unfertige Theologie"Heute findet sich auf ihrem Schreibtisch interkulturelle und interreligiöse Literatur: Fragen nach Heimat, spiritueller Zugehörigkeit und gemeinsamer Weltgestaltung.

„Wer als Migrant_in seine Heimat aufgeben und in der Fremde neu anfangen muss, der braucht einen Gott, die/der sie begleitet und überall ein Zuhause gibt.“ Deshalb trägt die Eröffnung des interkulturellen Zentrums auch den Titel „Zuhause an einem anderen Ort“. Am 18. September soll im Gemeindezentrum in der Bürgermeister-Klingerstraße Kirche als ein belebter und lebendiger Ort sichtbar werden. „Die Menschen sehnen sich nach Zuhause“, das stellt sie fest, wenn sie bei Hausbesuchen das Gespräch vor allem mit den Eltern der Hausaufgabenkinder sucht. „Für diese Sehnsucht nach Heimat möchte ich Räume schaffen. Vielleicht durch unterschiedliche Anlässe für Begegnung, „kitchentalk“ (Küchengespräche beim Zubereiten und Essen von internationalen Speisen), Filmabende, Feste, Ausstellungen , Thematische Veranstaltungen und Fortbildungen. Bis ein fertiges Konzept steht, wird es eine Weile dauern, aber ich habe die Rückendeckung der Kirchengemeinde und des Dekanats und hier besonders des Pfarrers für Ökumene, Wolfgang Prawitz. Sie ahnt, dass ihre Arbeit auch die bisherige Arbeit im Dekanat, der Kirchengemeinde und vielleicht auch in der EKHN verändern wird, aber in diversen Papieren zur Flüchtlingsthematik, die jetzt erschienen sind, sieht sie Rückhalt für ihre Arbeit, dem Orientierungspapier der EKHN vom Mai[Orientierungspapier der Kirchenleitung der EKHN : Noch Raum in der Herberge?] und ebenso dem Papier des reformierten Bundes aus dem April dieses Jahres, das deutlich macht, wie sehr die Flüchtlinge unser Spiegel sind: „Die Flüchtenden erinnern die Kirche in besonders unausweichlicher Form an die für sie essenzielle Bedeutung ihrer Fremdlingschaft in einer Welt jenseits von Eden.“ [Aus: Flucht und Exil - Impulse für eine theologische Vergewisserung, Reformierter Bund April 2016]
„Man kann kaum besser ausdrücken, dass das, was heute die Flüchtlinge betrifft, auch unsere Geschichte ist und jederzeit wieder werden kann. Da können wir doch nur gemeinsam Gott als jemand, der mit uns mitgeht, entdecken. Es gilt, miteinander den interkulturellen Dialog zu führen, das interreligiöse Gespräch zu suchen, miteinander Raum für unsere Sehnsucht zu schaffen.“ 

 

 

Sichtbar werden als gesprächsoffene Kirche

Damit das Gemeindezentrum dafür sichtbarer Ort wird, wird es in den nächsten Tagen freigelegt. Professionell wird wohl das meiste von dem Grün weichen, dann aber wird der zeltartige Bau weithin zu erkennen sein und für Begegnungen und Gespräche viel genutzt werden. Kristin Flach-Köhler freut sich auf die Arbeit, die vor ihr liegt, das Team in der Kirchengemeinde und im Dekanat Groß-Gerau-Rüsselsheim. „Es ist toll, dass ich in diese Stelle so viel von meinen bisherigen Berufserfahrungen, aber auch meine persönlichen Stärken einbringen kann.“ Dass es ihr hier gut gefällt, scheinen auch schon der Postbote und selbst die Männer vom Rauchmelder-Service bemerkt zu haben. Die haben schon jetzt den Weg gefunden und reichen ganz selbstverständlich die Post und das Werbematerial durch das offene Fenster.

EKHN/Anja Schwier-WeinrichKirstin Flach-Köhler im Gespräch am offenen Fenster und SchreibtischMit den Menschen direkt ins Gespräch kommen, das geht gut am offenen Fenster.

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